Piko

Inspiriert von den Maker Skill Trees findet sich hier die Antwort auf die Frage, was eine erwachsene Person so tun muss.

Skill Tree PNG CC-BY-SA Piko / Steph Piper Makerqueen

Ich habe hier gesammelt, was ich für sinnvoll halte – im Mastodon-Thread, in dem ich nach Ideen hierfür gefragt hatte, gab es beispielsweise zu den Versicherungen sehr unterschiedliche Meinungen. Nehmt das als Inspiration.

Das ist auch die Antwort auf die Frage nach Formulierungsunklarheiten: Ist mit „Freunde finden“ gemeint, ich soll die Fähigkeit haben, Freunde zu finden – oder soll ich direkt Freunde finden? Wer bestimmt, welche Themen wichtig sind, sodass eins dazu Allgemeinwissen haben soll? You're a grown-up now, you decide.

Die Baum-Icons weisen darauf hin, dass es bei den originalen Skill Trees eigene Skill Trees für die jeweilige Aufgabe gibt.

Anders als bei den Maker Skill Trees sind die Aufgaben hier teils nicht gut quantifizierbar. Ich vermute, dass das in der Natur der Sache liegt. Wenn jemand trotzdem versuchen möchte, den Skill Tree entsprechend anzupassen, würde ich mich sehr freuen, das Ergebnis zu sehen.

Falls hier Dinge fehlen oder Ihr ähnliche Projekte kennt, dann teilt sie mir bitte per Mastodon an @piko@chaos.social mit. Vielen Dank an alle, die beim Sammeln mitgeholfen haben!

https://codeberg.org/Piko/Adult_Skills/

Weiter unten finden sich die Aufgaben als Liste – diese Liste ist aber auf mehreren Ebenen nicht allgemeingültig: Sie bezieht sich auf ein relativ privilegiertes Leben in Deutschland. „Deeskalierend mit der Polizei reden“ zu können wird beispielsweise für viele Menschen unter “Muss” und nicht unter “Sollte” fallen. „Zähne putzen“ muss nicht für jede Person einfach sein. Please don't make me tap the sign.

Der Squishy Stuff von ganz unten fehlt größtenteils im Ausmal-Skilltree. Ich empfehle, die zehn Punkte in Ruhe durchzugehen und die, die ihr für Euch haben möchtet, in Euren Skill Tree zu übertragen – dafür sind die vielen leeren Bubbles!

Muss

  • Zähneputzen, Körperhygiene
  • Vorratshaltung
  • Steuererklärung
  • Krankenversicherung
  • Rentenversicherung
  • Personalausweis
  • Bankkonto, Geldkarte
  • Dokumente wiederauffindbar aufbewahren
  • Kalender
  • Wissen, wie mit Krankheiten umgegangen werden soll bzw. wer dann gefragt werden kann

Sollte

Vorsorge

  • Testament und Vorsorgevollmachten (Vorsorge-Set)
  • Versicherungen (alle paar Jahre überprüfen, Lebensituationen verändern sich, mögliche Vertragsbedingungen auch. test.de)
    • Haftpflicht-V
    • Hausrats-V
    • Berufsunfähigkeits-V
    • Unfall-V
    • Rechtschutz-V
    • private Altersvorsorge
  • Notgroschenkonto
  • Backups machen

Arbeit

  • Zeitmanagement (verschobenes nicht vergessen)
  • Erwerbsarbeit
  • Gewerkschaft
  • Budgetieren

Körperliche Gesundheit

  • Bewegung/Sport
  • Gesunde Ernährung
  • How to Arzt
  • Eine Ärztin finden, die einen ernst nimmt
  • wie gehe ich mit Medikamenten um (z.B. wie und wann nehme ich Schmerzmittel)
  • Krebsvorsorge
  • größerer medizinischer Check-Up, mit großen Blutbild (Menschen empfehlen, das bei einer Blutspende machen zu lassen)
  • Blutspenden
  • Impfungen regelmäßig auffrischen
  • Organspendeausweis ausfüllen (da lässt sich auch „Nein“ ankreuzen)

Lebenssinn

  • Freunde finden
  • Hobby/Interessen haben
  • Engagement, siehe auch Civic Skill Tree
  • grundlegende Kenntnis der Dinge, die unsere Gesellschaft und unseren Alltag bestimmen (z.B. Erde=rund, Homöopathie=Placeboeffekt)

Haushalt

  • Richtig Wäsche waschen können
  • Richtig Aufräumen und Saubermachen können; siehe auch Cleaning Skill Tree
  • Werkzeug haben: Akkubohrer, Metermaß, etc.
  • Handwerkskills (Knopf annähen, Bild aufhängen, knarrende Tür fetten), siehe auch Renovation and Repair Skill Tree
  • Umgang mit Lebensmitteln

Skills

  • Deeskalierend mit der Polizei reden
  • Grundlegende Jura-Kenntnisse
  • Erste Hilfe (regelmäßig auffrischen)
  • Um Hilfe bitten können
  • Sich entschuldigen können
  • Eigene Gefühle deuten und steuern können
  • Bewerbungen schreiben
  • Umgang mit Computern

Squishy stuff

  • Finding Peer groups
  • Healthy Communication Patterns
  • Healthy Relationships
  • Handling Conflicts
  • Managing Emotions
  • Setting Boundaries
  • Coping with whatever Brain Issue you have, Therapy
  • (Sex Specific) Body Maintenance
  • Consent and Communication about Sex, Safer Sex
  • Setting / Reevaluating / Questioning Life Goals

Ein Kommentar zu zwei Stellen aus „Theorie des Subjekts“ von Peter V. Zima

Peter V. Zima: Theorie des Subjekts. Tübingen 2017.

In Theorie des Subjekts erörtert Zima eine große Menge verschiedener Subjektkonzeptionen. Unter anderem wirft er den Blick darauf, wie in den Sprachwissenschaften Subjekte konstituiert werden. Auf zwei direkt aufeinanderfolgenden Seiten erörtert er einerseits einen Standpunkt, der aus meiner Perspektive sehr oberflächlich erscheint, und anderseits (zu einem anderen Thema) einen Standpunkt, der mein Sprechen und meine Entscheidungen für Interessen sehr gut beschreibt.

Elfenbeinturm? Ich sehe hier keinen Elfenbeinturm.

Zunächst der oberflächliche Standpunkt: Basil Bernstein unterscheidet „einen restricted code der Unterschicht von einem elaborated code der Oberschicht oder Mittelklasse“(Zima, 71). In Ersterem steht nur ein spärlicher Wortschatz und nur rudimentäre Syntax zur Verfügung. Sprecher*innen dieses Codes könnten ihre

„Ansichten und Anliegen nicht annähernd so nuanciert artikulieren wie die Sprecher des elaborated code. Sie sind eher in der Lage, der ideologischen, werbetechnischen und medialen Vereinnahmung in einer Dialektik von Kritik und Selbstkritik zu widerstehen und eine autonome Subjektivität zu verteidigen. [...] So ist es zu erklären, daß vor allem Angehörige der Unterschicht für autoritäre, manichäisch strukturierte Ideologien wie Nationalismus, Nationalsozialismus, Faschismus und Marxismus-Leninismus anfällig sind.“(71)

Ich störe mich sehr an dieser Perspektive. Einerseits wird hier nach unten getreten; ein Mensch vermutlich aus der akademischen Mittelklasse spricht Menschen aus einer niedrigeren Klasse die Ausdrucksfähigkeit und damit Feinheiten des Subjektseins ab – und übersieht dabei auch noch, dass Leute, denen es schlecht geht, eher Sachen ändern wollen (hence the Neigung zu Ideologien).

Andererseits dürfte das, was Bernstein behauptet, auf zwei Ebenen falsch sein: Die Soziolekte von wirtschaftlich benachteiligten Klassen sind höchstwahrscheinlich ebenso komplex wie andere. Sie sind nur weniger hoch angesehen und dadurch auch weniger gut erforscht. (Sprecht mit den Linguist*innen Eures Vertrauens, wenn Ihr mit Quellen zugespamt werden wollt.) Und auch der Nationalsozialismus war keineswegs eine Sache der Unterschicht. Humanismus? Der Vater von Heinrich Himmler war Lehrer für Latein und Altgriechisch. Genauso wenig lässt sich der aktuelle Rechtsradikalismus als Randgruppenphänomen abtun. Menschenfeindliche Haltungen sind Teil der Mitte der Gesellschaft.

Not that kind of girl

Direkt auf der nächsten Seite erörtert Zima die Position von Mary M. Talbott. Sie beschreibt eine Situation, in der sich zwei Personen über eine genaue Farbbezeichnung unterhalten: Den Unterschied zwischen lavendel und malvenfarbig. Ein hinzugekommener Dritter, ein Mann, bewertet diese Unterscheidung als trivial und nicht der Rede wert. Die Zuordnung ist klischeehaft, aber den meisten wohlbekannt: Farbwörter=Frauen, keine Farbwörter=Männer.

An dieser Stelle wird es genügend Frauen geben, die erklären wollen, wie sehr sie keine Ahnung von Farben haben; und genügend Männer, die erklären werden, wie genau sie den Unterschied zwischen lavendel und malvenfarbig kennen. Der Punkt ist, dass die Fähigkeit zwischen diesen beiden Farben zu unterscheiden, und vor allem die Einschätzung dieses Unterschieds als „der Rede wert“, deutlich gegendert ist:

„Nun mag es auch Frauen geben, die für derlei Nuancen keine Zeit haben, aber Talbots Text zeigt, wie sehr Relevanzkriterien und Klassifikationen gruppenspezifisch sind und wie sich Subjektivität innerhalb von sprachlichen Gruppen bildet. Sie läßt zugleich erkennen, wie weibliche Subjektivität in einer von männlichen Soziolekten dominierten Situation trivialisiert und marginalisiert werden kann.“(72)

Und hier kommt mein Interesse ins Spiel: Ich gehöre zu der Gruppe, die betonen wird, keine Ahnung vom Unterschied dieser beiden Farben zu haben. Ich bin der hinzugekommene Dritte, der über diese Unterscheidung lacht und sie abwertet. Ich gliedere mich an dieser Stelle eindeutig in den dominanten Diskurs ein; damit versuche ich meine eigene soziale Stellung zu heben – auf Kosten der Frauen, der in diesem Moment marginalisierten Gruppe. Damit schneide ich mir ins eigene Fleisch. Ich habe Teil an der Abwertung; am Patriarchat. Denn jedes affirmierende Wiederaufrufen dieser Unterscheidung (Kennt Farbwörter: interessiert sich für Triviales, tendenziell weiblich; kennt keine Farbwörter: interessiert sich nur für Wichtiges, tendenziell maskulin) stärkt diese Wertung.